Besser`n Schneck, als gar kaan Speck!

Liebe Leserin, lieber Leser!


„Besser`n Schneck als gar kaan Speck”, das dürfte seit der Steinzeit, wo die Höhlenbewohner auf Bergen von Schneckenhäusern hockten, die Devise, nicht nur der Rheingauer kleinen Leute gewesen sein.
In den kalkreichen Weinbergen Burgunds entdeckten die Römer die köstlichen Tierchen und professionalisierten die Schneckenzucht in Schneckengärten. Apicius hat die Rezepte dazu aufgeschrieben. Asterix und Obelix schlemmten als Dessert nach dem Wildschweingang, Sie ahnen es schon, Schnecken.
Im Rheinfränkischen Kochbuch von 1445 finden wir keine Schneckenrezepte. Was auch nicht weiter verwundert, denn es ist für einen höheren geistlichen Würdenträger geschrieben. Schnecken waren eben ein „Arme-Leute”-Essen.
In der Volksmedizin spielten Schnecken eine wichtige Rolle, getrocknet „vor den cathar”, der Schleim als Warzenmittel und gekocht als Potenzmittel: „Denn Männer, die Schnecken schmausen, sind nachts beim Dasein da!”

Rudolf Dietz hat das köstliche Gedicht vom „Nitzlich Parre” geschrieben, der als Elsässer ins Nassauer Ländche versetzt, die Äcker auf- und ablief um Schnecken zu sammeln. (Klicken Sie HIER, um das Gedicht zu lesen.)
Im Mittelalter waren es dann die Klöster, die Schneckengärten anlegten und die Eberbacher machten da keine Ausnahme, zumal viele Franzosen unter ihnen waren. Da Schnecken nicht als Fleisch galten, waren sie als Fastenspeise zugelassen.
In der bürgerlichen Küche finden sich in unseren Breiten, mit wenigen Ausnahmen, keine Schneckenrezepte. Goethes Großmutter, die Lindheimerin, seine Mutter Frau Aja und auch er, der Hätschelhans, konnten Schnecken wohl nichts abgewinnen. Irgendwann im 19. Jahrhun- dert kamen sie bei der feinen Gesellschaft in Mode (Potenzmittelchen) und - waren bald aufgegessen.
Deshalb wurde das Schneckensammeln im Freiland verboten und die Helix pomatia unter Na- turschutz gestellt. Allerdings Sinti und Roma hatten sie immer auf ihrem Speisezettel, weshalb ich Ihnen auch ein echtes Zigeunerrezept für Schnecken vorstelle.

Heute werden die Schnecken in Farmen gemästet, vor allem in Frankreich die Art Helix aspera. Mit dem Aufkommen der Nouvelle Cuisine wurden Schneckeneier als Delikatesse wieder entdeckt, ich habe sie aber noch in keinem Delikatessenladen gefunden (aber bei Harrods in London soll es „Snail - Caviar” geben). A propos Schneckeneier...
Jetzt kauft man die Schnecken in Dosen, küchenfertig und braucht sie nur noch zu zuberei- ten. Einmal habe ich in meinem Leben lebende Schnecken selbst gekocht. Ich kann Ihnen sagen, das war eine langwierige, aufwändige Arbeit bis ich die 80 Kameraden aus dem Häuschen, in den Topf und auf den Teller gebracht hatte. Uns besuchte damals gerade ein lieber Freund aus Österreich und er kommentierte den Schneckenschmaus (nicht wissend, dass er Schnecken auf dem Teller hatte): „Wusch, dös is a guats Gulasch!”

Damit sind wir beim Geschmack der Schnecken, sie haben wenig Eigengeschmack. Deshalb werden sie mit Gewürzen und Soßen überschüttet. Und nun ein Klick für ein paar Rezepte, die Sie auch mit den preiswerteren Achat-Schnecken aus Südostasien zubereiten können.

Ich schleim' mich vom Acker und bleiben Sie mir wohl gewogen!
Ihr