Unsere kulinarische Rheinfahrt beginnt in Koblenz. Wir schweben über das »Deutsche Eck” und schon winkt uns das »Alte Haus« in Bacharach mit seinem gediegenen Fachwerk zu, das schon so viele Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Ja, ja, Sie haben es gemerkt, liebe Leser, ich habe das Buch von hinten aufgeschlagen, eine Angewohnheit, die ich mir nur beim Krimi verkneife. Und so schweben wir dahin, vorbei an den Sehenswürdigkeiten, die die Gegend so berühmt, zum Weltkulturerbe, gemacht haben, biegen bei Bingen um die „Ecke” und folgen der alten Vogelfluglinie des Inselrheins nach Osten. Als sich dann linker Hand das Walluftal öffnet, weckt der Nonnenberg mit seinem „Schlösschen” Kind-heitserinnerungen. Hier unterhalb lag unsere Rodelbahn, als die Winter noch Winter waren

Frankudo hat mit den Bildern der Sehenswürdigkeiten „seiner Rheinfahrt”, in dem ihm eigenen Stil, einen originellen Kessel Buntes angerichtet. Dabei bringt er allerhand Accessoires ins Spiel. Es hätte den letzten Fürsten von Schloss Johannisberg bestimmt gefreut, wenn er am Fuße seines Johannisberges die schnittige Karosse gesehen hätte, war er doch ein großer „Autonarr”. Ein witziger Gedanke auch der Koch im Dormitorium der Eberbacher Zisterzienser. Ihr Mönchlein es ist Fasttag, es gibt Flusskrebse.

In all das sind die Rezepte von Monika Rössler eingebettet. Da duftet der Kirschenmichel mit Frauensteiner Kirschen, von denen uns schon Goethe berichtet. Quellmänner mit Kräuterquark sollten eigentlich als Kulturerbe geschützt werden.
...kreutter sind der armen Leute wurtz / zu allerlei speiß...bringen lust zum essen / dienen dem Magen / reitzen zu ehelichen wercken, schreibt der Botaniker Hieronymus Bock 1545 in seinem „New Kreütter Buch”.

Kalbsbriesröschen mit Rahmwirsing hat es schon lange nicht mehr bei uns gegeben. Ein dreifach Hoch den wieder auferstandenen Rheingauer Hühnern, die Elmar M. Lorey nach langem Dorn-röschenschlaf wachgeküsst hat. Und natürlich Lachs, der den Bediensteten schon vor einem Vierteljahrhundert zum Halse heraushing. Es sei denn, man hätte ihnen Wildreis und Blattsalate dazu serviert...

Endlich wieder Zicklein, das delikateste Fleisch, das uns die heimische Tafel bietet. Und das lässt sich richtig gut beschaffen, finden wir doch entlang unserer kulinarischen Route, im Taunus, im Hunsrück, zahlreiche Ziegenherden, im Rheintal sogar als Landschaftspfleger und es sind die Biobauern, die uns diese kulinarische Köstlichkeit bescheren. Also bitte, liebe Autorin, in der nächsten Auflage mehr als ein Rezept von der Ziege.

Ein absoluter Klassiker unserer Landschaft ist die gefüllte Kalbsbrust, Klöße dazu und dann würde ich mir Endiviensalat dazu wünschen, haarfein ziseliert, wie ihn nur mein Vater schneiden konnte und leicht ertränkt im Apfelschmand...

Gleich zu Anfang meiner Rezension hatte ich geschrieben: Schnecken scheinen ausgestorben. Falsch, falsch, falsch! Sie sind da, schaut nur auf die Seite siebzig, liebe Leser, man findet sie einmal im klassischen Kräuterbutterbad und als feines Süppchen, wobei ich der munteren Hausfrau zurufen möchte, sei sparsam mit den Kartoffeln dabei.

Aber sonst sind Monika Röslers Rezepte „ein Leichtes” für die Köchinnen und Köche des 21. Jahr-hunderts. Übersichtliche Rezepturen, die das Einkaufen erleichtern und klare Kochanleitungen, step-by-step, da kann eigentlich nichts schief gehen. Bei den vielen Rosen die Frankudo versteckt hat, fast ein Liebeskochbuch und weil Liebe durch den Magen geht, ein liebevolles Mitbringsel.

Ach ja, am Ende - die Desserts. »Rüdesheimer Kaffee« mit dem uralten Asbach macht wieder munter, wenn auch der „ewige Bund” zwischen Rüdesheim und dem Hause Asbach im wahren Leben gerade der Globalisierung zum Opfer fällt. Bleibt uns die Erinnerung...
A propos Erinnerung, vergesst mir den Rheingauer Birnengrieß nicht!

Leckeres vom Rhein (ISBN 3-936622-76-0) von Monika Rösler und Frankudo ist im
Verlag M. Naumann, http://www.vmn-naumann.de , Nidderau, erschienen und zum
Preis von € 14,00 im Buchhandel erhältlich.