Liebe Leserin, lieber Leser

„Die Schwämme sein weder Kräuter noch Wurtzeln, weder Blumen noch Samen, sondern nichts anders, dann ein überflüssige Feuchtigkeit deß Erdrichs, der Bäume, der Höltzer, und anderer fauler Ding, darum sie auch ein kleine Zeit währen, dann in sieben Tagen wachsen sie, vergehen auch, sonderlich aber kriechen sie herfür, wann es donnert.“
schreibt Adamus Lonicerus 1537 in seinem Kräuterkochbuch. Unsere Vorfahren hatten mit Pilzen nicht viel am Hut.

Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen (keine Fliegenpilze), sagt der Volksmund und Not gab es auch im Rheingau. Da konnte man in der Auswahl der Speisenfolge nicht wählerisch sein. Alles Essbare kam auf den Tisch und wenn es sein musste auch Pilze. Deshalb hatten die Untertanen den Öberschten etwas voraus. Sie wussten wie wunderbar diese überflüssige Feuchtigkeit deß Erdrichs schmeckt.

Wenn die Wachmänner von ihrem Patrouillengang nach Hause kamen, erzählten sie oft von der Einsamkeit und dem Unheimlichen an der Rheingauer Außengrenze. Außengrenze? Ja, die Rede ist vom Rheingauer Gebück. Im Herbst, der Wind liess die Blätter von den Bäumen rascheln, wurde es den Männern oft, im wahrsten Sinne des Wortes, mulmig zumute. Lauerte da im Gebüsch vielleicht ein Schurke, der einem den Garaus machen wollte?

Sicher war das Gebück dicht für große Heere, praktisch undurchdringlich. Aber Einzelne konnten sich durch Schleichwege doch ins Land drücken. Um die Wirkung ihrer Erzählungen über die Unheimlichkeiten ihres Arbeitsplatzes zu unterstreichen, brachten sie Totentrompeten mit, die in den Pflanzengesellschaften der Hainbuchenhecken des Gebücks zahlreich und prächtig ihre Trichter aus dem absterbenden Laub streckten.

Abergläubische glaubten, dass die Erde durch die „Füllhörner des Hades“ aus- und einatmete, durch lauter kleinen Höllenschlunde. Bläulich violett bis braun, in feuchtem Zustand schwarz, außen, wenn sie abtrocknen, silbergrau, samtig, changierend in einem morbiden Farbenspiel. Ihr Habitus giftig, abschreckend wirkend, verschleiert ihre Essbarkeit, verleugnet ihr edles Aroma, das sich in getrocknetem Zustand so verstärkt, das es Morcheln Konkurrenz macht. Die getrockneten Herbsttrompeten ergeben ein aromatisches Würzpulver, den Morcheln durchaus ebenbürtig.

Das Trocknen der Herbst- oder Totentrompeten geht auch im modernen Haushalt sehr einfach. Stellen Sie den Backofen auf 100 °C Umluft. Legen Sie auf den Rost Ihres Backofens ein entsprechend großes Blatt Alufolie. Verteilen Sie die Pilze (bis zu 500 g) gleichmäßig auf dem Rost, der auf der obersten Schiene eingeschoben wird. Die Tür wird mit einem Kork einen schmalen Spalt offen gehalten, damit der Dampf entweichen kann. Nach ca. 30 min. wird der Rost um 180 °C gedreht, die Pilze vorsichtig gewendet und weitere 30 min. getrocknet. Danach werden sie in ein Glas gefüllt, das nach dem Abkühlen verschlossen wird. Wenn ich die Pilze verwende, mörsere ich sie vorher.


Ich verblase mich jetzt in die Küche und bleiben Sie mir gewogen!

Ihr