RZ-Online Artikelarchiv vom 15.04.2005

Herbert Michels Ode an die Blunz
Rheingauer stellt sein Buch "Lust auf Blutwurst" in Mainz vor -
Teils ausgefallene Rezepte lassen altbekannte Spezialität in neuem Licht erscheinen.



Um die Wurst geht es im Buch von Herbert Michel. Um Blutwurst. "Lust auf Blutwurst" heißt das Buch des Rheingauers, das jetzt in Mainz vorgestellt wurde.

Foto: Harry Braun
MAINZ. Die Sau ist tot. Blut fließt. Für Herbert Michel ist das ein durchaus freudiger Moment. Denn aus dem Lebenssaft des Schweins wird das gemacht, was der füllige Rheingauer am liebsten isst: Blutwurst. So heißt denn auch sein erstes Buch "Lust auf Blutwurst", das vom Ingelheimer Leinpfad-Verlag nun in Mainz vorgestellt wurde  - natürlich nicht ohne Blutwursthäppchen in verschiedenen Variationen.

"Keine Wurst polarisiert so wie die Blutwurst", sagt Verlegerin Angelika Schulz-Parthu. Die einen finden die weiche, dunkelrote Wurst, die aus Schweineblut, Fettstückchen und Gewürzen besteht, einfach nur eklig, für die anderen - so für die anwesenden Freunde Michels, seine Testesser - ist's ein Hochgenuss.

Erster Gang: Kartoffelwurst. Der Ingelheimer Metzgermeister Harry Petry und Frau Monika reichen selbstgemachte Probehäppchen. Samtig weich, leicht kartoffelig im Geschmack, trotzdem blutwursttypisch. Harry Petry ist begeistert von Michels Schilderungen der Hausschlachtung vergangener Tage. Solche Detailtreue. Der Metzger hat dem nichts mehr hinzuzufügen. "Kleppern!" ist fast schon das zentrale Wort in Michels Schilderung. Sein Vater rief es ihm zu, als bei der Hausschlachtung das noch warme Blut der Sau in Bütten aufgefangen wurde. Um zu verhindern, dass es gerinnt, muss man umrühren.

Zweiter Gang: Zungenblutwurst. Schön korrespondieren die Geschmäcker von Zunge und Blutwurst, festes Fleisch mischt sich mit weicher Wurst. Michels berichtete zuvor von Blutwurst -Historie: Die Spartaner hätten die Blutwurst erfunden - als zufällig eingedickte Blutsuppe, die den Krieger stärken sollte. Im Mittelalter sei sie verboten gewesen. Doch hat sich die Kirche hier trotz Androhung "harter Geißelung" des Blutwurstessers offensichtlich nicht durchgesetzt. Stattdessen wurde aus St. Anton schnell der Sau-Toni, der Wurst-Patron, weiß Michel.

Dritter Gang: Blutwurst. Ganz klassisch mit Grieben, die schön bissfest sind. Raus aus der Pelle, rein in den Mund. Lecker. Das sind auch die Rezepte, die Michel in seinem Buch versammelt hat: Linsensuppe mit Blutwurst und Majoran zum Beispiel. Oder Blutwurst -Kartoffelterrine mit Feldsalat.

Vierter Gang: Schinkenblutwurst: Das Fleisch noch ein gut Stück fester als bei der Zunge, der leicht salzige Kochschinken macht sich aber mindestens ebenso gut. Aber auch ungewöhnliches bietet der Rezeptteil des Buches: Seeteufel auf Morcilla (spanische Blutwurst), oder Blutwurst-Pannacotta.

Fünfter Gang: Blutwurst -Blätterteig -Teilchen. Sieht richtig goldig aus. Doch der Geschmack ist so mild, dass man ihn kaum merkt. Vielleicht liegt's an den zuvor gereichten, kräftig schmeckenden Wurststücken. Doch Michels Buch bietet nicht nur Rezepte: Blutwurstgedichte, Oralhaptik (dt.: Bissgefühl im Mund), Schweizer Blutwurstritter, Geschichten und Geschichtliches, Blutwurstarten, aber auch jugendliche Blutwurst -Traumata sind darin beschrieben.

Sechster Gang: Blutwurst -Tarte mit grünem Spargel. Wunderbar! Der starke Geschmack des faserig-zarten Spargels vermischt sich aufs Beste mit den Blutwurststücken im Teig, der dem Ganzen eine runde Note gibt. Für die Buchvorstellung hat Christoph Holderrieth von den Wiesbadener Hofköchen Tarte und Blätterteigteilchen gezaubert. Der isst sie zwar nicht "pur in solchen Mengen, aber ich koche gern mit Blutwurst", macht der Koch klar. Das sei ein "schöner Schreck auf der Menükarte".

Schreck? Wieso? Sie schmeckt doch. Und mit Michels Buch, in dem übrigens auch "Himmel und Erd" nicht fehlen darf - kann man der Blutwurst ganz neue Seiten abgewinnen. Auch wenn der literarische Teil manches Mal eher schlichte Wortspielchen nutzt, so ist er doch sehr informativ. Und kulinarisch höchst interessant ist's sowieso.    Stefan Butz

Herbert Michel: Lust auf Blutwurst. Leinpfad-Verlag 2005. ISBN: 3-937782-23-0.

Hinweis: Dieser Artikel stammt aus unserem Archiv. Die darin enthaltenen Informationen könnten inzwischen überholt sein! http://rhein-zeitung.de/05/04/15/Z/00000156.html vom 15.04.2005 © Rhein-Zeitung / RZ-Online GmbH · 56073 Koblenz