Eines der ältesten Obstgehölze ist die Birne. Sie breitete sich nach der letzten Eiszeit von Griechenland bis nach Mitteleuropa aus und wurde als Nahrungsmittel in den Pfahl- bauten Europas bereits vor dreitausend Jahren nachgewiesen. Hier handelte es sich aber um Wildformen. Die Römer, die be- reits vierzig Edelsorten kannten, brachten diese zu uns und veredelten sie auf unseren einheimischen Wildsorten. In der Rheingauer Küche spielte die Birne stets eine wichtige Rolle.

Um 1350 entstand die „Würzburger Liederhandschrift“, die auch eines der ältesten Kochbücher deutscher Sprache enthält: Das „buoch von goûter spîse“. Auftraggeber war der Pronotar der Würzburger Diözese, Michael de Leone, der der Mainzer Familie Jud entstammte.
Wahrscheinlich aus der mütterlichen Mainzer Küche brachte er das Rezept „hunre von rinkauw“ (Rheingauer Hühnchen) mit und ließ es aufschreiben. Birne mit Ingwer ist ein wichtiger Be- standteil dieses Rezeptes.


Fegelsbirn/Wildbirnen

Als Kaiser Karl V. im Dezember 1530 Gast des Geisenheimer Schultheißen und des Rheingauer Haingerichtes war, servierte man ihm ein großartiges Menü
(Mir strunze nit, mir hun? 30 Gulde hot uns der Späßje ge- kost`!), bei dem es unter anderem
gab, also gegrilltes Fleisch vom Rost mit Wildbirnen und Erbsenbrei als Gemüsebeilage.

Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte eine In- tensivierung des Obstbaues in unseren Breiten. Zu den alten Sorten wie den wenig aromatischen Mollebusch und Flaschen- birnen kamen Gute Luise und Apothekerbirne, die wir heute als Williams Christ kennen, hinzu.
Die Bedeutung des Birnenanbaues im Rheingau dokumentiert sich auch in einem Kiedricher Spottvers: